Geschichte und Kirchenführer


Informationsblätter in deutscher Sprache liegen in der Kathedrale aus:

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Geschichte

Die Christ Church Cathedral wurde im Jahre 1030 zum ersten Mal schriftlich erwähnt. Dúnán, der erste Bischof Dublins, und Sitriuc, der altnordische König Dublins, erbauten eine Wikingerkirche, die wahrscheinlich dem Erzbischof von Canterbury unterstellt war. Im Jahre 1152 wurde sie in die irische Kirche eingegliedert und innerhalb des kommenden Jahrzehnts wurde Laurence O’Toole zum Erzbischof ernannt, der heute als Schutzheiliger der Stadt Dublin gilt. Er begann die Grundordnung der Kathedrale nach europäischem Vorbild umzugestalten und etablierte die religiösen Vorschriften, die von dem Heiligen Augustinus vorgegeben wurden. Außerdem wurde ein Priorat gegründet, das bis zur Reformation, die auf die liturgische Anwendung des Sarum (Salisbury) Usus in England folgte, erhalten blieb.

Laurence O’Toole unternahm diplomatische Bemühungen zwischen den Einwohnern Dublins und den Anglo-Normannen, unter anderem Strongbow (Richard de Clare), nachdem die Stadt im Jahre 1170 erobert worden war. Es ist vor allem dem ersten Anglo-Normannischen Erzbischof John Cumin zu verdanken, dass die bis dato hiberno-nordische Kathedrale durch eine romanische und später eine gotische Kathedrale ersetzt wurde, von denen noch heute Teile erhalten sind. Im Jahre 1395 empfing König Richard II die Könige der vier irischen Provinzen, O’Neill aus Ulster, McMurrough aus Leinster, O’Brien aus Munster und O’Connor aus Connacht in der Kathedrale, um als Oberhaupt Huldigung zu erlangen. 1498 wurde der Hochstapler Lambert Simnel, der behauptete, der englische König Edward VI zu sein, in der Christ Church gekrönt.

Im sechzehnten Jahrhundert schwappte eine neue Reform aus England auf die irische Insel über, als sich Heinrich VIII von der römischen Kirche lossagte. Er löste das Augustinische Priorat der Heiligen Dreifaltigkeit auf und etablierte die reformierte Grundlage des Kirchengesetzes. Am 22. Dezember 1514 wurde Robert Castle (alias Paynswick), der letzte Prior, zum ersten Dekan der Christ Church ernannt. 1568 stürzte das Gewölbedach des Kirchenschiffes ein und zerstörte das Grabmal von Strongbow. Das heutige Grabmal ist eine Nachbildung, die in Drogheda hergestellt wurde. Nach dem Einsturz lag die Kirche in Trümmern und es wurde sofort danach mit dem notdürftigen Wiederaufbau begonnen. Diese vorübergehende Lösung blieb jedoch bis in die 1870er bestehen. Seit dem Einsturz des Daches hatte sich die nördliche Wand des Kirchenschiffes 46 cm / 18 Zoll nach außen gelehnt.
Die politischen Veränderungen während der oben beschriebenen Jahrhunderte spiegelten sich auch immer in der Verwaltung der Kathedrale wieder, was den Zusammenbruch der Ordnung der Kathedrale zur Zeit Cromwells zur Folge hatte. 1660 wurde der Christ Church eine neue Verfassung auferlegt, die bis heute, nach kleinen Veränderungen durch die Kirchenversammlung der Church of Ireland im Jahre 1870, die Basis des heutigen Kirchengesetzes darstellt 1689 nahm King James an der Heiligen Messe hier in der Kathedrale teil und für einen kurzen Zeitraum wurden die Bräuche aus der Zeit vor der Reformation wieder eingeführt. Ein Jahr später sagte König Wilhelm III, der gerade von der Schlacht am Boyne zurückgekehrt war, Dank für seinen Sieg über König Jakob II und schenkte der Kathedrale mehrere goldene Abendmahlsteller. Im 16. und 17. Jahrhundert wurde die Krypta der Christ Church als Marktplatz, Treffpunkt für Geschäftsleute und für kurze Zeit sogar als Pub genutzt. Dies belegt ein Brief aus dem Jahre 1633: die Gewölbe des Doms wurden von einem Ende zum anderen in Trinkhäuser verwandelt, wo Sauflustige Bier, Wein und Tabak verzehrten.

1742 sang der Chor der Kathedrale zusammen mit dem Chor der St. Patrick’s Cathedral die Uraufführung des Oratoriums Messias von Georg Friedrich Händel in der nahegelegenen Fishamble Street. Der Church Temporalities Act im Jahre 1833 hatte die teilweise Enteignung zur Folge und ließ die kirchliche Institution, die bis dahin zu den reichsten Irlands zählte, verarmen. Als Charles Lindsay, Bischof von Kildare und Dekan der Christ Church (diese Positionen wurden ab dem 17. Jahrhundert von einer Person ausgeführt) 1846 starb, wurde der Dekan der St. Patrick’s Cathedral auch zum Dekan der Christ Church ernannt. Erst im Jahre 1884 bekam die Christ Church wieder einen eigenen Dekan.

Die Architektur der heutigen Kathedrale ist viktorianisch beeinflusst. Dies gründet auf umfangreichen Sanierungs- und Renovierungsarbeiten unter der Leitung des Architekten George Edmund Street (zwischen 1871 und 1878). Die Kosten wurden von Henry Roe getragen, dem Gründer einer Dubliner Whisky-Destilliere, der 230 000 £ (heute 23 Mio. £!) spendete, um die Kathedrale vor dem Verfall zu retten. Die Gründung der Church of Ireland im Jahre 1871 hatte noch weitere Verfassungsänderungen und Enteignungen zur Folge. Da Vertreter des Laienstands für die Erhaltung des Gebäudes zuständig waren, war es unbedingt nötig, dafür zu sorgen, dass der Laienstand eine Machtposition bekam. Daraufhin wurde ein Kirchenrat, bestehend aus Laien- und Kirchenmännern gegründet (wie damals üblich), der neben dem rein geistlichen Verbund agierte.

Die zweijährige Restaurationsphase des Daches und des Gemäuers der Kathedrale begann im Jahre 1982. Kenneth Jones aus Bray baute 1984 die neue Orgel ein. Seit 1997 wurden zusätzliche Bauarbeiten, wie die Sanierung der Heizungs- und Lichtsysteme, sowie die Restauration der riesigen Krypta aus dem 12. Jahrhundert, vorgenommen. Die Bauarbeiten an der Krypta sollten dringend benötigte Bewirtungsmöglichkeiten ermöglichen und das zweite Millennium einläuten. Heute befinden sich in der Krypta die wichtige Ausstellung ‘Schätze der der Christ Church’ und ein Vorführungsraum, in dem ein wundervoller Film von Louis Marcus gezeigt wird, der die Geschichte der Kathedrale erzählt. Die Ausstellung enthält Manuskripte und Artefakte, die dem Besucher eine Einsicht in die fast eintausend Jahre alte Geschichte der Kathedrale und der Kirchen in der Nachbarschaft gewähren. Ein ganz besonderes Kirchensilber ist der wunderschöne fürstliche Teller, der 1697 von König Wilhelm III als Danksagung für seinen Sieg in der Schlacht am Boyne der Kathedrale übergeben wurde. Ein weiteres Ausstellungsstück ist das erhaltene Tabernakel und die Kerzenhalter, die 1689 unter König Jakob II benutzt wurden, als die römischen Riten für eine 3-monatige Periode wieder eingeführt wurde.

Um das neue Jahrtausend der Christenheit einzuläuten, fanden neben vielen kleineren zwei große Hauptevents statt. Im Juni 2000 startete die Veranstaltung ‘Christ Church Cathedral: Eine Geschichte’, die vom irischen Regierungschef a. D., Bertie Ahern, eingeweiht wurde. In derselben Woche fand die fünftätige liturgische ökonomische Tagung Ceiliúradh (Festlichkeit) statt, in der die Themen Musik, Kunst, Architektur und Theologie in Seminaren, Workshops, Lesungen und Gottesdiensten erörtert wurden.